Wie eine Idee ins Rollen kam ...
Nach der Erdbebenkatastrophe 2010 in Haiti unterstützten SAT.1 und der RED NOSE DAY dort den Bau einer Fußballschule. Jetzt feierte das ran-Internat Eröffnung.
Rot leuchten die frisch gestrichenen Fassaden in der haitianischen Sonne. Hinter den Mauern des Internats werden rund 120 Mädchen und Jungen ein Zuhause finden. "Camp Nous" nennen die Haitianer das Gelände, kreolisch für "Unser Camp". Und tatsächlich ist die Anlage nahe Port-au-Prince ein Beweis dafür, was möglich wird, wenn Menschen zusammen etwas anpacken. Vier von ihnen stellt dieser Beitrag vor - und erzählt entlang ihrer Beispiele, wie die roten Wände wuchsen.
Der Stratege // Sven Froberg, 41, Vice President Sport, hatte die Idee.
Die Bilder gingen ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf. Als Sven Froberg im Januar 2010 das vom Erdbeben zerstörte Haiti im Fernsehen gesehen hatte, überlegte er, was er und sein Team tun könnten. Zwei Tage später der Einfall: Ein Benefizfußballspiel mit Haitis Nationalelf. "Per E-Mail schickten wir dem dortigen Verbandschef sofort eine Einladung", erinnert sich Froberg. Fünf Tage vergingen, dann folgte tatsächlich eine Antwort: "Ja, wir kommen nach Deutschland!" Die Aktion "ran hilft Haiti" war geboren. Nur acht Wochen später spielten die haitianischen Gäste in Augsburg gegen die ran-Allstars um Stars wie Mehmet Scholl, Giovane Elber und Oliver Pocher. Rund 500.000 Euro kamen zusammen. Noch mal so viel spendete der Rotary Club. "Zum Glück hatten wir viel Unterstützung - alleine hätten wir das nie geschafft", sagt Froberg. Der RED NOSE DAY stellte die Spendeninfrastruktur, danach übernahm die "Aktion Deutschland hilft". Gemeinsam mit deren Experten beschloss Froberg den Bau eines Fußballinternats.
Der Aktivist // Lutz Pfannenstiel, 39, ehemaliger Fußballprofi und Chef des „Global United FC“ begleitete den Bau.
Ein Meer aus blauen Punkten war das Erste, was Lutz Pfannenstiel an Haiti auffiel. Seine Maschine war im Landeanflug über der Insel, und schnell wurde ihm klar, was er da durchs Fenster sah: "Es waren die blauen Zelte der Hilfskräfte, die die Insel übersäten", erinnert er sich. Pfannenstiel kennt Katastrophen: Wenn sie passieren, organisiert er mit seinem Projekt "Global United FC" Benefizfußballspiele. Nun unterstützte er "ran hilft Haiti". Gemeinsam mit Sven Froberg besichtigte er eineinhalb Jahre nach dem Beben die Baustelle des Internats. Dort fertigten die rund 80 Arbeiter gerade den Rohbau. "Alle strahlten eine besondere Energie aus", berichtet Pfannenstiel. Einige Stunden packten er und Froberg mit an. Als Pfannenstiel im Mai 2012 zur Einweihung wiederkehrte, staunte er. Auf dem Gelände warteten knapp 500 Haitianer, darunter Fernsehteams und hochrangige haitianische Politiker. "Alle wollten dabei sein. Ein Beweis für die Kraft des Fußballs", meint Pfannenstiel. Auf dem Rückflug bemerkte er noch etwas: Ein Jahr nach seinem ersten Besuch waren fast alle blauen Zelte verschwunden - der Aufbau ging voran.
Der Macher // Henri Robert Dominique, 46, Projektmanager, leitet vor Ort die Planungen.
Bald sollen die ersten Mädchen und Jungen im ran-Internat einziehen. Henri Robert Dominique bereitet alles für sie vor. Was den 46-Jährigen antreibt: "Als Student war ich an einem US-College. Dort hatten wir die modernste Ausstattung, aber den meisten war das egal, für sie war das normal. Hier auf Haiti träumen die Kinder von ,Camp Nous'." Während eines Fußballturniers übernachteten im Juli Jugendliche im Internat. Abends saß Dominique mit ihnen zusammen und lauschte stolz, wie sie von der Anlage schwärmten.
Der Schüler // Etienne Richlin, 16, hofft auf einen Platz im Internat.
Noch steht nicht fest, wer die ersten Bewohner von "Camp Nous" sein werden. Aber so viel ist sicher - Etienne wird sich bewerben: "Es ist toll, dass man hier gleichzeitig zur Schule gehen und Fußball trainieren kann", sagt der Nachwuchskicker. Mit der Aufnahme hofft er auch, seinem großen Ziel einen kleinen Schritt näher zu kommen: ein Profivertrag beim FC Barcelona. Und was er nach der Unterschrift als Erstes tun würde, weiß Etienne auch schon: "Dann schicke ich Geld an unser Internat, damit hier noch mehr Platz für Talente ist."


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