„Es ist großartig, dass die Muttersprache von sehr vielen Menschen jetzt bei uns sichtbar wird“

Barrierefreiheit bei ProSiebenSat.1

Mit „Forrest Gump“ fing alles an. Im April 2000 wurde der Hollywood-Blockbuster mit Tom Hanks als erste Sendung überhaupt auf ProSieben mit Untertiteln ausgestrahlt. Seitdem baut die Sendergruppe das Angebot an barrierefreien Inhalten stetig aus.

Waren es zunächst insbesondere Filme und Serien, die untertitelt wurden, konnte 2015 mit dem Finale von „Germany’s Next Topmodel – by Heidi Klum“ erstmals eine Liveshow mit Untertiteln für gehörlose und schwerhörige Menschen gesendet werden. Das jährliche Monitoring der Medienanstalten zeigt, dass die ProSiebenSat.1-Group dabei eine Vorreiterrolle unter den privaten Medien einnimmt. Das Ergebnis: Im Jahr 2020 wurden über die gesamte Sendergruppe durchschnittlich 27 Prozent der Sendungen mit speziellen Untertiteln ausgestrahlt, auf ProSieben waren es knapp über 44 Prozent.1

Welche Fortschritte ProSiebenSat.1 in Sachen Barrierefreiheit in den letzten Jahren erzielen konnte, zeigt sich insbesondere an der ProSieben-Erfolgsshow „Germany’s Next Topmodel – by Heidi Klum“. Nach der ersten Live-Untertitelung im Jahr 2015 folgte 2019 Audiodeskription über die eigene „ProSieben AD“-App, die für iOS und Android verfügbar ist. Audiodeskription beschreibt für blinde und sehbehinderte Menschen, was auf dem Bildschirm zu sehen ist. Von der Bühnengestaltung über die Outfits der Teilnehmer:innen bis hin zu Einspielern: In Dialogpausen erklären Sprecher:innen in knappen und präzisen Worten all das, was nicht über die Tonspur erkennbar ist. Und die nächste Premiere steht bereits in den Startlöchern: Zum ersten Mal wird am 27. Mai 2021 das Finale von „Germany’s Next Topmodel“ aus Berlin in Deutscher Gebärdensprache gesendet. Über den Red Button auf der Fernbedienung des Smart-TVs oder den Onlinestream der Finalshow können GNTM-Fans die Live-Übersetzung verfolgen.

Seit Jahren setzt sich Charlotte Sorge, Senior Manager Acquisitions, Dubbing & Material, mit ihrem Team für das barrierefreie Angebot der Sendergruppe ein. Und das mit Erfolg: „Vor acht Jahren standen in meiner Sechs-Wochen-Übersicht 34 Formate mit Untertiteln“, erinnert sie sich. „Heute sind es 2.500.“

Seit Jahren setzt sich Charlotte Sorge, Senior Manager Acquisitions, Dubbing & Material, mit ihrem Team für das barrierefreie Angebot der Sendergruppe ein.
Lotte, du begleitest das Thema Barrierefreiheit bei ProSiebenSat.1 seit fast zehn Jahren. Was ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

Ich denke immer noch gern an unsere erste Live-Untertitelung bei „Germany’s Next Topmodel“ zurück. Kurz vor Staffelbeginn 2015 kam der Bayerische Gehörlosenverband mit der Bitte auf uns zu, auch hier Untertitel anzubieten. Doch das Finale war eine Liveshow. Die Anforderungen und der Prozess dahinter sind sehr viel aufwändiger als bei vorproduzierten Sendungen. Das hatten wir noch nie zuvor gemacht. Aber wir sind das Wagnis eingegangen und wurden dafür belohnt. Alle zeigten vollen Einsatz, verlegten zum Teil bis 15 Minuten vor Sendebeginn Kabel und letztlich hat alles wunderbar funktioniert. Und nach der Sendung erreichten uns sehr viele begeisterte Reaktionen gehörloser GNTM-Fans. Das hat uns sehr gefreut.

Beim diesjährigen GNTM-Finale ist es ähnlich aufregend. Zum ersten Mal wird das Finale in Deutscher Gebärdensprache gesendet.

Ja, ich freue mich sehr, dass wir in den letzten Jahren die Barrierefreiheit bei „Germany’s Next Topmodel“ immer weiter ausbauen konnten. Nach der Untertitelung und der Audiodeskription folgt nun auch noch die Übersetzung durch Gebärdensprachdolmetscher:innen. Das ist ein toller Prozess! Gebärdensprache ist die Muttersprache von sehr vielen Menschen. Es ist großartig, dass sie jetzt bei uns sichtbar wird. Bei den „Kanzlerkandidat:innen-Interviews“ haben wir bereits Gebärdensprachdolmetscher:innen eingesetzt, die für alle sichtbar ins Fernsehbild eingeblendet wurden. Und doch wird das Live-Screening im GNTM-Finale wieder extrem spannend.

Wie unterscheidet sich Gebärdensprache in puncto Vorbereitung von Live-Untertiteln und Audiodeskription?

Der Unterschied ist enorm. Beim Finale von „Germany’s Next Topmodel“ wird das kombinierte Bild mit Gebärdensprache online oder über HbbTV empfangbar sein. Das bedeutet sehr viel Arbeit. Wir brauchen Dolmetscher:innen und ein eigenes Studio. Alle Leitungen müssen stehen. Außerdem ist HbbTV eigentlich nicht auf Live-Sendungen ausgelegt. Hier müssen im Vorfeld also noch einige Anpassungen vorgenommen werden. Dazu kommen Kleinigkeiten, wie die Kleidung der Dolmetscher:innen, die natürlich auch zum Style der Sendung passen muss. Bei Live-Untertiteln und Audiodeskription ist der Aufwand dagegen viel geringer. Die Hauptarbeit erledigen wir hier nicht selbst, sondern vergeben sie an Produktionsfirmen, die wir dann nur noch briefen müssen.

Welches sind eure größten Herausforderungen bei der Umsetzung von Barrierefreiheit?

Wir müssen besonders auf eine ausgewogene Mischung achten. Leider ist es momentan noch nicht möglich, unser gesamtes Programm barrierefrei zu senden. Unser barrierefreies Angebot muss daher variieren. Schließlich will unser Publikum nicht nur Serien oder große Shows mit Untertiteln oder Audiodeskription sehen, sondern auch Doku-Formate oder Sendungen wie zuletzt die „Kanzlerkandidat:innen-Interviews“. Unser Ziel ist es, vielfältiger zu werden und dadurch ein breiteres Publikum zu erreichen. Sport hatten wir früher nicht im Repertoire, mittlerweile bieten wir den Super Bowl und die Fußball-U21-EM mit Untertiteln und sogar mit Audiodeskription an. Und wir arbeiten täglich daran, unser Angebot noch weiter auszubauen.

Alle Informationen und Links zur Barrierefreiheit im #GNTM-Finale finden Fans unter www.gntm.de/barrierefrei 

 

1 Ergebnisse aus dem 8. Monitoring Barrierefreiheit im privaten Fernsehen der Medienanstalten.