Kooperation mit dem Wettbewerber: Das Leuchtturmprojekt d-force

Jens Mittnacht, Geschäftsführer, SevenOne Media, im Gespräch.

Wie lässt sich Reichweite noch besser monetarisieren? Dieser Frage widmet sich Dr. Jens Mittnacht, Geschäftsführer der SevenOne Media, jeden Tag. Mit dem Leuchtturmprojekt d-force, einem Joint Venture von ProSiebenSat.1 und der Mediengruppe RTL, ist sein Team 2019 einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Wie es zur Kooperation mit dem direkten Wettbewerber kam, erklärt Jens im Interview.
Was verbirgt sich hinter d-force konkret?

d-force ist ein Joint Venture von ProSiebenSat.1 und der Mediengruppe RTL im Bereich AdTech. Im Zentrum steht die Technologie „Active Agent“ – eine vollautomatisierte Plattform, die es Unternehmen erlaubt, erstmals Werbung aus den Bereichen Addressable TV und Online-Video über eine Schnittstelle bei beiden Medienhäusern zu buchen. Kurz: Wir machen das Leben unserer Kunden leichter! Eine derart umfassende Kooperation gab es im deutschen Werbemarkt bis dato noch nie, selbst europaweit ist sie einzigartig.

Eine derart umfassende Kooperation wie d-force gab es im deutschen Werbemarkt bis dato noch nie, selbst europaweit ist sie einzigartig. Seit 1. Januar 2020 treiben Ralf Hammerath, Alen Nazarian und Jens Pöppelmann (v.l.n.r.) in der Geschäftsführung das Leuchtturmprojekt nun voran.
Kurz: Wir machen das Leben unserer Kunden leichter! Eine derart umfassende Kooperation gab es im deutschen Werbemarkt bis dato noch nie, selbst europaweit ist sie einzigartig.
Wie kam es zu dieser Partnerschaft der zwei führenden TV-Häuser in Deutschland?

Der konkrete Anstoß kam aus dem Markt. Wir bekamen immer öfter von den Werbekunden zu hören: „Wir möchten eine gemeinsame Buchungsplattform.“ Da RTL bislang genauso intensiv wie wir das Thema Werbetechnologien vorangetrieben hat und wir in komplementäre Unternehmen investiert hatten, waren die Synergien offensichtlich. Also haben wir die Gespräche aufgenommen. Beiden Seiten war klar, dass wir zwar bei Inhalten, Quoten, um Werbeinventare und deren Vermarktung konkurrieren, nicht aber bei der Technologie. Im Juni 2019 war es dann soweit: Wir haben d-force gegründet, im August gab es grünes Licht vom Kartellamt und im September haben wir die ersten Kampagnen gestartet. Das war schon ein besonderer Moment!

Wie wird das Angebot im Werbemarkt angenommen?

Wir bekommen von den Kunden seit Beginn viel Positives zurückgespielt, gerade was das umfassende Angebot und die einfache Buchung betrifft – mit nur wenigen Klicks ist die individuell passende Werbung bestellt. Aber das ist erst der Anfang: 2020 starten wir mit der programmatischen Aussteuerung der Addressable TV Spots und der Integration der „Cross Device Bridge“. Das bedeutet, dass wir verschiedene Geräte im Haushalt – also TV, Smartphone und Tablet – verknüpfen und eine Kampagne darüber zielgruppengenau ausspielen können. Insgesamt ist die Resonanz aber nicht nur auf Kundenseite enorm, auch ausländische Broadcaster und Vermarkter zeigen großes Interesse.

Insgesamt ist die Resonanz aber nicht nur auf Kundenseite enorm, auch ausländische Broadcaster und Vermarkter zeigen großes Interesse.
Inwiefern? Wollt Ihr auch ausländische Partner in die Buchungsplattform integrieren?

Im Februar 2020 haben wir unsere Buchungsplattform bereits nach Österreich gebracht und die Werbeinventare unserer Tochter ProSiebenSat.1 PULS 4 sowie dem österreichischen Vermarkter von RTL integriert. Außerdem sind wir mit Medienunternehmen aus der Schweiz in Kontakt. Unser Ziel ist es, auf der Plattform ein größtmögliches Werbeportfolio anzubieten. Was Länder außerhalb des deutschen Sprachraums betrifft: Hier wollen wir unser Angebot vielmehr als eigenständige Tech-Lösung in der jeweiligen Landessprache etablieren. Diese Aufgabe treibt jetzt auch das neue Geschäftsführer-Team von d-force voran, das am 1. Januar gestartet ist.

Was verspricht sich ProSiebenSat.1 langfristig von d-force?

Wir stellen damit klar unsere Innovationsführerschaft im Bereich Werbetechnologie unter Beweis – schließlich ist die technologische Basis „Active Agent“ Teil unserer AdTech-Tochter Virtual Minds. Wir wollen mit d-force aber auch das Wachstum unseres Addressable TV-Geschäfts beschleunigen, denn genau dieser Bereich bietet enormes Potenzial für die Monetarisierung unserer Reichweiten – und ist unsere absolute Kernkompetenz!