»Wir führen E-Sports aus der Nische in den Mainstream.«

Stefan Zant, Geschäftsführer 7Sports

Stefan Zant hat die ProSiebenSat.1-Tochter 7Sports innerhalb kurzer Zeit zur führenden Adresse im boomenden E-Sports-Geschäft gemacht. Mit der 100-prozentigen Übernahme von eSports.com folgt jetzt der nächste Schritt.

Ist das jetzt tatsächlich Sport, wenn ein paar Jugendliche in voll besetzten Stadien vor Bildschirmen sitzen und zocken? Drum herum Zehntausende, die jeden Zug auf großen Screens gebannt verfolgen. Diese Frage bekommt Stefan Zant seit drei Jahren regelmäßig gestellt. Das Gute ist: Man darf sich sicher sein, dass der 42-Jährige eine kompetente Antwort parat hat. Er verantwortet als Geschäftsführer unter anderem die E-Sports-Sparte von ProSiebenSat.1. Und: Er gehörte sechs Jahre lang zur internationalen Elite des Freestyle-Skisports. „Natürlich ist das kein physischer Sport wie Tennis oder Fußball. Doch die Gamer stehen unter Zeitdruck, müssen Taktiken und Strategie entwickeln, sich im Team abstimmen und ein enormes manuelles Geschick besitzen. Das ist für mich eindeutig Sport.“ Für viele andere offenbar auch.

E-Sports ist die am schnellsten wachsende Trendsportart in Deutschland.

E-Sports ist die am schnellsten wachsende Trendsportart in Deutschland. Bis 2021 soll es hierzulande rund 10 Millionen Fans geben. Schon heute füllen sich Stadien mit mehr als 20.000 Zuschauer, wenn Profi-Teams wie Astralis oder Team Liquid zum Kampf am PC antreten. Konzerne wie Coca-Cola, Intel und Mercedes-Benz sponsern E-Sports-Veranstaltungen bereits mit Millionen, McDonalds hat im vergangenen Jahr sogar einen erheblichen Teil seines Sponsoringbudgets vom Fußball in den E-Sport-Bereich verlagert.

Stefan Zant hat diese Entwicklung früh erkannt. Vor rund vier Jahren beschäftigt sich der frühere Unternehmensberater, der 2014 von der Boston Consulting Group zu ProSiebenSat.1 kam, zum ersten Mal mit dem Thema. Ideen für neue Business-Modelle zu finden und zu entwickeln – das war damals sein Job als Chefstratege beim Münchner Medienkonzern. „Ich habe diese unglaublichen Wachstumsraten in Asien gesehen und war mir sicher, dass das nicht nur mit kulturellen Unterschieden zu erklären ist, sondern ein neuer, internationaler Mega-Trend sein wird.“ Unter der Regie des einstigen Profisportlers entsteht nach und nach ein neuer Geschäftszweig.

Und Zant hat von Anfang an große Pläne. „Wir werden E-Sports in Deutschland aus der Nische holen und genauso populär wie andere Sportarten machen.“ Was ihm dabei hilft: Im Gegensatz zu anderen Playern hat er ein Set an reichweitenstarken TV-Sendern im Rücken, über die er nicht nur die bereits etablierte Gamer-Szene, sondern auch neue Fans gewinnt. Dass dies funktioniert, zeigen schon die heutigen Reichweiten. Auf Twitch, dem Leitmedium der jungen Gamer und Zocker, erreichten Übertragungen der wichtigsten FIFA-Spiele früher maximal 10.000 Zuschauer. „Auf ProSieben MAXX sind es heute bis zu 130.000“. 

„E-Sports muss man erklären, um neue Zielgruppen zu gewinnen.“

Zant verfolgt mit seinem Team vom Start weg eine andere Strategie als reine Gamer-Plattformen wie Twitch. „E-Sports muss man erklären, um neue Zielgruppen zu erreichen. Wir haben deshalb als erster in Deutschland eine klassische redaktionelle Berichterstattung rund um E-Sports etabliert.“ Plattformen wie Twitch zeigen hauptsächlich unkommentierte Live-Streams mehrstündiger Gaming-Events. Zant und sein Team hingegen arbeiten mit einer Redaktion und Experten im Studio, die Spielzüge einordnen, Taktiken erklären, Schlüsselszenen wiederholen – ganz so, wie man es von großen Sportarten kennt. „Bei unserem TV-Magazin „ranEsport - Professional Gaming Magazine“ auf ProSieben MAXX bleiben Leute beim Vorbeizappen hängen und steigen in das Thema ein, die niemals zufällig auf Twitch landen würden. So machen wir den Markt Stück für Stück größer.“

TV-Magazin „ran E-sport - Professional Gaming Magazine“
auf ProSieben MAXX

Ein weiteres Kernelement ist die führende deutschsprachige Plattform www.eSports.com, an der Zant und sein Team vor einem Jahr bereits die Hälfte übernommen haben. Jetzt folgt die Aufstockung auf 100 Prozent. „www.eSports.com ist eine äußerst starke Marke und Domain. Wir fokussieren uns jetzt auf den Ausbau in den deutschsprachigen Märkten, haben aber auch die Internationalisierung schon im Blick.“ In Deutschland ist 7Sports bereits heute die Nummer 1. „Es gibt hierzulande kein zweites Unternehmen, das die gesamte Palette in einem Paket anbieten kann.“ Von der Übertragung sämtlicher wichtiger Ligen und Turniere über eigene Events bis hin zur Vermarktung einiger der erfolgreichsten deutschen eSports-Teams. Dass sie kleine Sportarten in Deutschland zu großen Events machen können, hat das Team von 7Sports übrigens schon einmal bewiesen. „Wir stehen heute dort, wo wir mit American Football vor sechs Jahren standen, nur in einem signifikant schneller wachsenden Markt“, sagt Zant. Mit den Übertragungen der NFL ist es ProSiebenSat.1 schon einmal gelungen, eine einstige Nischensportart Mainstream-tauglich zu machen.

„Wir stehen heute dort, wo wir mit American Football vor sechs Jahren standen, nur in einem signifikant schneller wachsenden Markt."

Neue Märkte entdecken und sie zu einem relevanten Business für ProSiebenSat.1 aufbauen – in dieser Rolle fühlt sich der 42-Jährige Manager pudelwohl. Schon als Jugendlicher hat sich Stefan Zant gern in neues Terrain vorgewagt. Er ist 16 und bereits nordbayerischer Meister im Riesenslalom, als er auf die damals noch recht unbekannte Disziplin des Freestyle-Skiings umsteigt. Zant ist fasziniert von den artistischen Sprüngen, den spektakulären Salti, den Tricks in der Halfpipe. „Das fand ich cool.“ Zant ist ehrgeizig und gehört bald zu den Besten auf der Buckelpiste. Der Oberstufenschüler ist zeitweise häufiger bei Weltcup-Wettbewerben anzutreffen als im Klassenzimmer. Das Abitur besteht er dennoch ohne Probleme. Als sich seine Freunde zum Studium verabschieden, wird er Profi. Sechs Jahre lang gehört er zur internationalen Spitze des Freestyle-Skisports. In der Saison 2000/2001 gewinnt er die Gesamt-Europacup-Wertung. Als er mit 25 Jahren aufhört, um Betriebswirtschaft zu studieren, liegt er auf Platz acht der Weltrangliste. Er zieht das Studium schnell durch und macht rasch Karriere als Unternehmensberater. „Ich würde es jederzeit wieder so machen“, sagt er. Und wenn seine Töchter, zwei und vier, mal älter sind, hat er auch für sie schon einen Tipp parat: „Öfter mal ins kalte Wasser springen und neue Dinge ausprobieren, dazu würde ich jedem raten“.

7Sports ist in Deutschland die Nummer 1 für e-Sports

Da trifft es sich gut, dass ausprobieren heute quasi zu seinem Beruf gehört. Rund 20 Ideen für neue Geschäftsmodelle hat Zant in der Regel gleichzeitig auf dem Schreibtisch. „Fünf davon realisieren wir im Schnitt“. Momentan beschäftigt er sich viel mit der Digitalisierung und Medialisierung des Breitensports. „Da steckt ein riesiges Potenzial“, glaubt er, und rechnet vor: „Es gibt in Deutschland mehr als 27 Millionen aktive Sportler und mehr als 150000 aktive Fußballmannschaften“. Eine zentrale Rolle soll dabei die App YouSport spielen. Mit ihr lassen sich unkompliziert und kostenlos professionelle Video-Aufnahmen von Amateur-Sport-Veranstaltungen erstellen.

Und wie sieht es bei Zant selbst aus? Hat er den Ski-Sport inzwischen gegen eine Konsole eingetauscht? „Definitiv nicht. Für mich ist das ein super spannendes Business. Ich schaue den Profis fasziniert zu. Doch um richtig gut zu werden, hätte ich deutlich früher damit anfangen müssen.“ Deshalb wird er demnächst, sobald die ersten Flocken fallen, am Wochenende wieder regelmäßig auf der Piste unterwegs sein.