»Wir haben seit 35 Jahren jedes Jahr eine Show auf Sendung.«

Stephanie Noonan Drachkovitch, Rasha Drachkovitch

44 Blue Productions, seit Juli 2016 Teil der Red Arrow-Familie, feiert in diesem Jahr bereits 35-jähriges Jubiläum: Einst von Rasha Drachkovitch und Stephanie Noonan Drachkovitch gegründet, hat sich 44 Blue als preisgekrönter Produzent von Non-Fiction- und Non-Scripted-Programmen auf dem internationalen TV-Markt etabliert: Die Formate der US-Produktionsfirma mit Sitz in Los Angeles werden in mehr als 120 Ländern sowie über 20 Netzwerken weltweit ausgestrahlt – über 20 weitere Projekte hat 44 Blue derzeit noch in der Pipeline. Im Insights-Interview geben Stephanie und Rasha einen Rückblick auf die letzten drei Jahrzehnte und verraten, wie ihre Pläne für die Zukunft aussehen.
Ihr feiert dieses Jahr Euer 35-jähriges Jubiläum. Wie kam es zur Gründung von 44 Blue Productions?

Rasha: Steph und ich haben 44 Blue im Juni 1984 gegründet, in Stephs damaliger Wohnung. Unsere erste Serie – „Bob Ueckers Wacky World of Sports“ (ESPN) – sollte eigentlich ein einmaliges Special sein, aber es lief gleich so gut, dass der Sender direkt weitere Ausgaben in Auftrag gegeben hat. Wir wussten also, wie man eine TV-Show produziert, aber die Gründung eines Unternehmens war nochmal etwas ganz anderes: Wir mussten Mitarbeiter einstellen, Visitenkarten drucken und vor allem einen Firmennamen finden. Wir haben uns auf 44 Blue geeinigt – benannt nach einem erfolgreichen Footballmatch aus meiner Highschool-Spielzeit. Tja, und das war der Anfang der Firma!

Auf welche Projekte seid Ihr besonders stolz und was ist das Geheimnis Eurer Beständigkeit in diesem Geschäft, das so schnelllebig ist wie kaum ein anderes?
„Die Art, mit der wir Geschichten über diese extremen menschlichen Bedingungen erzählen, entwickelt oft eine unbeschreibliche Power und erzählerische Eigendynamik. Und es lohnt sich, dass wir in unseren Formaten denen Menschen eine Stimme geben, die oft ungehört bleiben.“

Rasha: Ich bin sehr stolz, dass wir seit 35 Jahren jedes Jahr mindestens eine Show auf Sendung haben. In diesem sich ständig verändernden Marktumfeld haben wir Trends immer frühzeitig erkannt, sodass es uns gelungen ist, uns ständig an den Markt anzupassen und immer neue Wege zu finden, um Inhalte zu verkaufen.

Stephanie: Für mich ist eine unserer größten Errungenschaften, dass wir so viele Menschen um uns haben, die uns seit vielen Jahren begleiten. Einige unserer Mitarbeiter sogar seit fast 20 Jahren. Das hilft uns, Programme zu entwickeln, die divers sind und die Werte und Leidenschaften verschiedenster „Geschmäcker“ widerspiegeln. Wir haben das Glück, jeden Tag aufzuwachen und das zu tun, was wir so gerne machen: Wir dürfen in viele verschiedene Welten eintauchen, interessante Menschen treffen und deren Geschichten erzählen. Das bringt natürlich auch Verantwortung mit sich und verlangt Integrität – und das ist genau das, was unser großartiges Team leisten kann.

Eure neue Serie „Jailbirds“ wurde sehr gut aufgenommen und war innerhalb der ersten Woche bereits auf Platz 1 der Reality-Shows auf Netflix UK & Irland*. Wie ist die Idee zu dieser Serie entstanden?

Rasha: Wir haben mehr Formate in Gefängnissen produziert als jede andere Produktionsfirma auf diesem Planeten. Ich scherze gerne, dass eigentlich jeden Tag jemand von 44 Blue im Gefängnis ist – aber natürlich in Bezug auf unsere tollen Produktionen! „Jailbirds“ ist aus unserer 20-jährigen Produktionserfahrung mit „Lockup“ (MSNBC) entstanden. Einige Manager bei Netflix waren große Fans der Serie, zudem ist dieser Bereich ist auf Netflix selbst äußerst beliebt. Also entwickelten wir quasi „Lockup 2.0“: Wir hatten im Laufe der Jahre in mehreren Gefängnissen, darunter auch Frauengefängnissen, gedreht und immer mit dem Gedanken gespielt, eine reale Version des Netflix-Klassikers „Orange is the New Black“ zu kreieren. Nachdem wir die Dreherlaubnis für das Sacramento County Gefängnis bekommen hatten, waren wir mit einer fünfköpfigen Crew für fünf Monate vor Ort, um das Leben von zehn Häftlingen zu dokumentieren. Und das Feedback der Zuschauer sowie die ersten Statistiken von Netflix waren von Beginn an super. Wir hoffen, dass wir in Zukunft hiervon noch viele weitere Episoden produzieren können.

Ihr habt einige hochkarätige Talentpartnerschaften, darunter mit Dick Wolf, Khloé Kardashian, Jessica Biel, Viola Davis, der Wahlberg-Family und Whoopi Goldberg. Ist Talent der Schlüssel für immer neue Aufträge?

Stephanie: Talente sind definitiv ein wichtiges Element im Kreativgeschäft – aber es muss auch das richtige Talent in Kombination mit dem richtigen Projekt sein. Und das Ganze sollte vor allem authentisch sein: Wir hatten das große Glück, hochkarätige Talente für uns gewinnen zu können, die mehr im Non-Fiction-Bereich tätig werden wollten, dabei gute Geschichten zu erzählen haben und gerne im Team arbeiten. Mit Dwayne „The Rock“ Johnson haben wir extrem eng und gut zusammengearbeitet, als wir mit ihm „Rock and a Hard Place“ gedreht haben. Zudem haben wir zwei Serien mit Whoopi Goldberg produziert – sie schaut sich am Ende sogar jeden einzelnen Schnitt an. Aber was wirklich toll ist: Dass alle uns als Experten in diesem Bereich vertrauen. Wir versuchen immer, diese Beziehungen mit viel Sorgfalt zu pflegen und stets kooperativ zu sein. Und das aus einem guten Grund: Am Ende können wir genauso viel von ihnen lernen, wie sie von uns.

Im Jahr 2015 habt Ihr das Digitalstudio OVRTure gegründet. Wie hat sich das Projekt bisher entwickelt?

Rasha: OVRTure ist so etwas wie unser „Innovationslabor“. Wir sind 2015 als Virtual Reality Studio gestartet, bemerkten dann aber in der weiteren Entwicklung schnell, dass es noch viele andere Möglichkeiten gibt – man denke an Kurzfilme oder Branded Content – und wir unsere Vision für OVRTure nicht auf eine bestimmte Sache fixieren sollten. Es geht uns vielmehr darum, immer einen Schritt voraus zu sein, über neue Trends und Plattformen auf dem Laufenden zu bleiben und entsprechende Inhalte zu produzieren. Wir machen weiterhin 360-Grad-Projekte, momentan sind aber Mobile First und Audio unsere Schwerpunkte, dazu zählen zum Beispiel Podcasts.

„Wir arbeiten gerne im Premium-Doku-Bereich und hoffen, dass auch die vier neuen Projekte, die wir derzeit auf dem Tisch haben, ein Erfolg im Markt werden.”
Was sind Eure persönlichen Lieblingsformate von 44 Blue?

Rasha: Es ist ziemlich schwer, sich eine einzige Serie herauszupicken ... „Pit Bulls & Parolees“ läuft seit über zehn Jahren auf Animal Planet, die „Wahlburgers“ haben uns um die ganze Welt geführt und für 44 Blue zwei Emmy®-Nominierungen als beste Reality-Serie geholt. Aber eines meiner allerliebsten Formate ist „Lockup“ – das hat wahrscheinlich etwas mit der Art zu tun, wie wir Geschichten über diese extremen menschlichen Bedingungen erzählen. Das Ganze entwickelt oft eine unbeschreibliche Power und erzählerische Eigendynamik. Und es lohnt sich, dass wir in unseren Formaten denen Menschen Stimme geben, die oft ungehört bleiben.

Was sind Eure Pläne für die Zukunft?

Stephanie: Nach dem großartigen Erfolg von „First Responders Live“ würden wir uns freuen, in dieser Richtung weiterarbeiten zu können. Wir möchten außerdem ein Entertainment-Format für eine der großen Streaming-Plattformen machen – ein tolles Genre, das in unserem Portfolio bisher noch fehlt. Wir arbeiten aber gerne weiter im Premium-Doku-Bereich und hoffen, dass auch die vier neuen Projekte, die wir derzeit auf dem Tisch haben, ein Erfolg im Markt werden.

Rasha: Es ist eine brandneue, wilde Welt da draußen, die sich jeden Tag weiterentwickelt. Und es ist natürlich immer spannend, ein Format an eine neue Plattform zu verkaufen. Wir haben einfach das Glück, das zu tun, was wir tun – und zwar gemeinsam mit Red Arrow und den wunderbaren Kollegen, mit denen wir seit drei Jahren zusammenarbeiten. In diesem Sinne: Auf viele weitere Jahre der Zusammenarbeit – und natürlich viele weitere Geburtstage!