»Wir wollen zu einem Perspektivwechsel in der Gesellschaft beitragen.«

Lea-Sophie Cramer, Gründerin und Beiratsmitglied Amorelie

Als Lea-Sophie Cramer und Sebastian Pollok 2013 AMORELIE gründen, haben sie eine Vision: Tabus aufbrechen und Liebes-Toys für Singles und Paare als Bestandteil eines modernen Lifestyles gesellschaftsfähig machen. Nach sieben Jahren als CEO widmet sich Lea-Sophie Cramer nun neuen Themen, übergab am 1. Januar 2020 die Geschäftsführung an Claire Midwood und wechselte in den Beirat des Unternehmens. Im Insights-Interview schaut die AMORELIE-Gründerin auf die vergangenen Jahre zurück und verrät u.a., welches Projekt ihr besonders in Erinnerung geblieben ist.
Lea, kannst Du uns etwas zu Eurer Vision erzählen? Was treibt AMORELIE an?

Wir sind 2013 mit der Vision gestartet, Produkte für das Liebesleben zu enttabuisieren und sie als Bestandteil eines offenen und modernen Lebensstils zu integrieren. Das Thema in die Mitte der Gesellschaft zu rücken und zu einem Perspektivwechsel in der Gesellschaft beizutragen – das hat uns nicht nur damals angetrieben, sondern ist bis heute noch der Kern von AMORELIE. Und zum Teil haben wir das auch schon geschafft: Der Umgang mit Sexualität und Sinnlichkeit ist im Laufe der Jahre selbstverständlicher geworden und inzwischen kann man unsere Produkte sogar deutschlandweit bei dm kaufen. Wir wollen uns auch in Zukunft auf die intimsten und schönsten Momente, die man miteinander hat, fokussieren und mit unseren Innovationen Paarbeziehungen weiter stärken. Das treibt AMORELIE an!

Lea-Sophie Cramer

Gründerin und Beiratsmitglied AMORELIE
Im Alter von 25 Jahren gründete Lea-Sophie Cramer ihr erstes eigenes E-Commerce-Unternehmen. Heute zählt sie zu den bekanntesten Gründerinnen Deutschlands und unterstützt als Business Angel junge Start-ups. Da Lea im Jahr 2015 zum ersten Mal und in 2017 zum zweiten Mal Mutter geworden ist, steht und kämpft sie zudem für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und setzt sich dafür ein, Frauen in Führungspositionen zu unterstützen und zu ermutigen.
Wie findet Ihr heraus, was sich Eure Kunden jetzt und in der Zukunft wünschen?

Wir setzen bei AMORELIE auf Marktforschung, sowohl qualitativ in Form tiefenpsychologischer Interviews als auch quantitativ. Im Januar jeden Jahres veröffentlichen wir beispielsweise unseren „Sex-Report“, in dem wir die Ergebnisse unserer Befragung von über 3.000 Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz präsentieren. Die Studie beschäftigt sich mit dem Thema Sexualität in der Gesellschaft, beleuchtet aber auch Wünsche und Bedürfnisse des Einzelnen. Außerdem bekommen wir über unsere App und Webseite sehr viel Feedback von unseren Kunden. Nach dem Checkout beteiligen sie sich oft an unseren Umfragen zu Einkaufserlebnis und Angebot. Nicht zu vergessen sind unsere Toy-Beraterinnen, die bei Produktberatungen fundierte Einblicke bekommen, was unsere Kunden erwarten.

»Von den ersten 3D-Drucken in unserem Büro bis hin zum fertigen, funktionierenden Toy mit der perfekten Verpackung – den gesamten Prozess mitzuerleben und zu gestalten, war etwas Neues für mich. Der Moment, in dem ich das erste Mal unseren Namen auf den Produkten, die wir selbst entwickelt haben, gelesen habe, war sehr emotional!«
Gibt es eine Aktion oder ein Produkt, das in der Vergangenheit besonders gut bei Euren Kunden angekommen ist?

Auf jeden Fall unser Adventskalender. Er macht einen großen Teil unseres Geschäfts aus. Außerdem haben wir damit einen Adventskalender-Boom in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgelöst. Sehr viele Marken, Firmen und Personen bieten mittlerweile so ein Produkt an. Wir sind extrem stolz darauf, dass wir heute einer der größten europäischen Hersteller von Adventskalendern sind und es geschafft haben, so einen Markt perfekt für unsere Produkte zu nutzen. Der „AMORELIE Adventskalender“ bringt Leichtigkeit, Gamification und Neugierde und verkörpert dadurch in einem Produkt alles, was uns bei AMORELIE wichtig ist!

AMORELIE
Welches Projekt, das Du bisher umgesetzt hast, ist Dir bleibend in Erinnerung geblieben und warum?

Die Entwicklung unserer eigenen AMORELIE Toy-Marke, die wir 2020 launchen, war für mich etwas ganz Besonderes. Wir haben zwar bereits vor fünf Jahren eigene Produkte herausgebracht; jedoch tragen diese nicht unseren Namen. Damit konnten wir aber zunächst einmal austesten, ob wir das überhaupt selbst managen können und wie die Produkte ankommen. Und was soll ich sagen: Sie sind wahnsinnig erfolgreich. 2020 starten wir nun die Marke unter unserem eigenen Namen. Von den ersten 3D-Drucken in unserem Büro bis hin zum fertigen, funktionierenden Toy mit der perfekten Verpackung – den gesamten Prozess mitzuerleben und zu gestalten, war etwas Neues für mich. Der Moment, in dem ich das erste Mal unseren Namen auf den Produkten, die wir selbst entwickelt haben, gelesen habe, war sehr emotional!

Lea-Sophie Cramer im AMORELIE-Office in Berlin
2019 habt Ihr Euer Geschäft auf China ausgeweitet. Kannst Du uns kurz erklären, warum Ihr Euch für China entschieden habt?

Claire Midwood

CEO AMORELIE
Zum 1. Januar 2020 hat Lea-Sophie Cramer ihre Position an Claire Midwood übergeben. Claire Midwood blickt auf über 20 Jahre Erfahrung im Retail- und Lifestylegeschäft zurück und war zuvor bei Apple und Adidas tätig.

Chinesische Kunden schätzen europäische Marken und deren Qualitätsstandard – und dabei besonders die Marken, die authentisch sind, die ihre eigene Geschichte und Corporate Identity haben. Außerdem haben wir gesehen, dass sich der Markt für Sex-Toys in China gerade verändert und an dem Punkt ist, an dem Deutschland 2013 war. Es ist also ein guter Moment für uns, in einen der größten Märkte der Welt zu expandieren, um die Revolution und den Perspektivwechsel, den wir hierzulande geschafft haben, auch dort anzutreiben. Und bisher kann man wirklich sagen, dass es sehr gut funktioniert.

Zum 1. Januar 2020 hast Du Deine Position als CEO an Claire Midwood übergeben und bist in den Beirat gewechselt. Was waren für Dich die prägendsten Ereignisse bei AMORELIE?

Wo soll ich da anfangen?! Die Gründung im Jahr 2013 und unser erster Adventskalender mit einer Auflage von 300 Stück waren natürlich besonders. Auch das erste Investment von ProSiebenSat.1, ein Media-for-Equity-Deal 2014, ist mir im Kopf geblieben. Dadurch haben wir eine ganz andere Sichtbarkeit bekommen, da TV für uns als Marketingkanal super funktioniert. Die Zusammenarbeit war eine gute und richtige Entscheidung, die ich immer wieder so treffen würde. Wir sind damals mit ProSiebenSat.1 eine Beziehung eingegangen, ohne zu wissen, dass wir irgendwann heiraten werden. Dass ProSiebenSat.1 unser langfristiger Investor wird und wir eine Tochterfirma des Konzerns, hatte damals noch keiner geahnt. 2017 war prägend, weil wir angefangen haben, mit dm zusammenzuarbeiten. Aus dem Digital-Geschäft kommend, hatte es für mich eine unglaubliche Faszination und Magie, unsere Produkte zum Anfassen in den Regalen zu sehen. Abschließend war unsere Geburtstagsfeier im September 2019 ein ganz großer Moment für mich. Ein unglaublicher Tag: Wir hatten den ganzen Tag über Workshops und abends eine riesige Feier inklusive Reveal unseres Adventskalenders. Unsere AMORELIE-Geschichte in einem Tag – das war wirklich etwas Besonderes!

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